Goethe-Institut Rumänien

One of 25 short documentaries for the Goethe-Institut about German minorities in Eastern Europe.

More info at: https://www.goethe.de/ins/cz/de/spr/eng/enk/pro.html

Mein Name ist Ursula Radu-Fernolend. Ich bin am 24. November 1984 in Reps, einer kleinen Stadt neben Weißkirch geboren.

Viele können oft erzählen: meine Mutter kommt ursprünglich aus der Ukraine oder mein Vater ist eigentlich jüdischer Herkunft. Bei mir ist das alles sehr simpel: wir kommen alle schon immer aus Weißkirch, fertig.

Seit 2010 arbeite ich für eine britische Risikoberatungsfirma, für deren Büro in Berlin. Seit drei Jahren wohne ich wieder zu Hause, wieder in Rumänien, halb in Weißkirch und halb in Bukarest.

Ich bin in einem deutschsprachigen Haushalt aufgewachsen. Die erste Sprache, die ich gelernt habe, war Siebenbürger-Sächsisch. Das ist auch die geläufige Sprache, die wir benutzen, im Haushalt, mit meinen Eltern, mit meinen Großeltern, mit unserer Familie und es ist so zu sagen die Sprache, in der wir uns austauschen, in der wir denken, in der wir uns streiten, in der wir uns liebhaben. Da man  diese Sprache jedoch nicht schreiben kann, wird ganz schnell auf Hochdeutsch gewechselt. Ein Einkaufszettel, eine SMS ist dann immer auf Hochdeutsch.

Meine Familie ist in der Tat sehr darauf bedacht, dass die Tradition und das Kulturerbe erhalten wird in unserem Dorf. Dies ist auch einer der Hauptgründe gewesen weswegen meine Eltern sich entschieden haben, nicht auszuwandern nach 1989, im Gegensatz zu der Mehrheit der deutschen Minderheit hier. Ich war mit dieser Entscheidung immer sehr froh, auch wenn das anfangs nicht leicht war, weil es schon Spannungen gab zwischen den Hiergebliebenen und den Ausgewanderten, auch in unserer Familie teilweise.

Als Beispiel wie diese Tradition in meinem Leben einfließt auch heutzutage ist beispielsweise die Hochzeit mit meinem Cristian. Wir haben in Deutschweißkirch in der sächsischen Tracht geheiratet. Für uns war es wirklich ein Element, welches dazu gehört, wenn man einen so wichtigen Schritt im Leben macht. Es waren vielleicht zwanzig Nationen auf unserer Hochzeit, die aber in den sächsischen Ziehbetten geschlafen haben und unsere sächsische Hochzeitsuppe gegessen haben.

Ich kann mir gar nicht anders vorstellen, als meinen Kindern den siebenbürgischsächsischen Dialekt beizubringen. Die Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch ist ein Mittelpunkt dieser Gemeinschaft gewesen, schon immer. Meine Großeltern haben die Burg übernommen und sind die Burghüter gewesen, nach 1989. Sie war ein Zufluchtsort, ein Ort, wo man sonntags einmal verschnauft hat und sich zurückgezogen hat, um auch mal in sich zu gehen.

Mein Leben in Weißkirch ist ein Teil meines sehr dynamischen Lebens momentan -ein Mix aus Großstadt, aus Dorf, aus Asphalt und Rasenmähen. Die deutsche Weltanschauung und die rumänische Weltanschauung, dass man beides haben darf und mit diesen beiden Sprachen spielen kann, ist ein großer Vorteil.

Ich sehe mich nicht als Deutsche im Sinne Deutschlands. Für mich ist die deutsche Kultur sehr wichtig und sehr definierend, aber nicht zu Deutschland zwingend.

Heimat bedeutet für mich wissen, wo man herkommt, wissen wo man seine Zugehörigkeit sieht, aber auch zu sehen und offen zu sein, diese Heimat von Weitem auch anzuschauen und zu analysieren.

Diese Identität: siebenbürger-sächsisch, rumänisch, deutsch, europäisch- alles fließt hier zusammen, genauso wie Tradition und Moderne. Es ist einfach eine sehr interessante Melange, die ich sehr glücklich bin zu haben.